Laufen bedeutet für Jelena Ristic mehr als nur Sport – es ist Ausdruck von Ausdauer, Fokus und innerer Stärke. Die 45-Jährige aus Vevey bringt diese Eigenschaften nicht nur auf der Laufstrecke, sondern auch gezielt für einen guten Zweck ein: Mit jeder Teilnahme an einem Wettkampf sammelt sie Spenden für die Demenz Forschung Schweiz – Stiftung Synapsis.
Janet, 60 Jahre alt und Übersetzerin, und Jelena, 45 Jahre alt und Museologin, trafen sich vor zehn Jahren bei einer Ausstellung – und begaben sich seitdem gemeinsam auf ein aufregendes Lebensabenteuer. Ihre Verbindung gründet sich auf die Leidenschaft für Sprache, ungewöhnliche Entdeckungen und Rucksackreisen. Getragen werden sie von dem gemeinsamen Wunsch, jeden Moment, so unvollkommen er er auch sein mag, mit all der Geduld und Aufmerksamkeit zu schätzen, die manchmal nötig ist.
Laufen bedeutet für Jelena Ristic mehr als nur Sport – es ist Ausdruck von Ausdauer, Was sie antreibt, ist nicht nur die körperliche Herausforderung, sondern auch der Wunsch, etwas Sinnvolles zu bewegen. Kreativität, Belastbarkeit und Geduld. Ihr Engagement zeigt eindrücklich, wie Sport zu einem Werkzeug für Veränderung werden kann – mit Herz, Kopf und ganz viel Ausdauer. Wir haben mit ihr über ihre Passion gesprochen und darüber, wie sie Kreativität, Engagement und Solidarität miteinander verbindet.
Was hat Sie dazu bewogen, Ihre Leidenschaft für das Laufen mit einem guten Zweck zu verbinden?
Mit 40 Jahren begann ich zu laufen – anfangs in der Hoffnung, dass jeder gelaufene Kilometer auch ein paar überflüssige Pfunde mit sich nehmen würde. Was zunächst als Pflicht begann, wurde langsam zur Gewohnheit, schliesslich zur Freude. Das Laufen wurde zu einem festen Bestandteil meines Lebens. An meiner Seite: meine Partnerin – stets unterstützend, bestärkend, voller Geduld und Motivation.
Kurz vor Weihnachten, nach langen Monaten voller Arztbesuche, Untersuchungen und banger Ungewissheit, traf uns die Diagnose mit voller Wucht: Alzheimer. Ein Moment, der alles veränderte. Doch wir wussten sofort – wir dürfen uns davon nicht lähmen lassen. Stattdessen wollten wir der Krankheit gemeinsam eine neue Bedeutung geben, ihr etwas Positives entgegensetzen.
Wie hat die Diagnose Ihrer Partnerin Ihre Sicht auf das Leben und das Laufen verändert?
Die Diagnose hat die gewohnte Reihenfolge unserer Prioritäten ins Wanken gebracht. Plötzlich zählt der Moment mehr denn je – man versucht, jede Gelegenheit zu nutzen, sich Wünsche zu erfüllen, statt sie aufzuschieben. Das Zögern weicht dem Handeln. Auch das Laufen hat eine neue Bedeutung bekommen: Es ist nicht mehr nur Bewegung, sondern Ausdruck von Lebenswillen, von Stärke. Was für uns zählt, ist das gemeinsame Voranschreiten – Schritt für Schritt, Hand in Hand.
Welche Rolle spielt das Laufen in dieser schwierigen Zeit für Sie? Gibt es Momente, in denen es Ihnen besonders hilft?
Es ist mein stiller Moment der Einkehr – eine kleine, schützende Blase, die mir Raum gibt zum Nachdenken, zum Innehalten, zum Loslassen. Wenn mir alles zu viel wird, hilft sie mir, Klarheit zu finden, die Gedanken ziehen zu lassen und den Kopf freizubekommen. Letztlich ist es jener Augenblick, in dem ich ganz bei mir bin – ehrlich, unverstellt, im Zwiegespräch mit mir selbst.
Ihre Partnerin wird Sie auf bestimmten Strecken begleiten – was bedeutet das für Sie persönlich?
Ich schätze mich unendlich glücklich, dass wir denselben Wunsch teilen – gemeinsam unterwegs zu sein, bei Veranstaltungen Seite an Seite teilzunehmen: sie mit ihren Nordic-Walking-Stöcken, ich in Laufschuhen. Ich bewundere ihre Entschlossenheit, ihre innere Stärke und den unerschütterlich positiven Geist, mit dem sie der Krankheit begegnet.
Uns ist bewusst, dass die Zeit kostbar ist. Gerade deshalb bedeuten uns diese gemeinsamen Momente so viel – solange die Gesundheit es zulässt, sind sie ein Geschenk. Unsere kleinen und grossen Laufabenteuer sollen nicht nur uns stärken, sondern auch ein Zeichen setzen: für mehr Bewusstsein, für mehr Sichtbarkeit – und für die Hoffnung auf eine Zukunft, in der Alzheimer nur noch eine ferne Erinnerung ist.
Wie sind Sie auf die Möglichkeit aufmerksam geworden, durch Laufveranstaltungen Spenden zu sammeln? Und warum haben Sie sich für die Stiftung Synapsis entschieden?
Viele Laufveranstaltungen unterstützen wohltätige Zwecke. Bei der Anmeldung wird man oft eingeladen, für eine vom Veranstalter ausgewählte Organisation zu spenden. In England ist dieses Engagement oft noch vielfältiger: Läuferinnen und Läufer können aus einer ganzen Reihe von Organisationen wählen – und ihre Entscheidung sichtbar machen, etwa durch farbige Startnummern oder passende Trikots.
Ich fragte mich, ob wir nicht etwas Ähnliches tun könnten – eine eigene Initiative ins Leben rufen, um das Bewusstsein für Alzheimer zu schärfen und Spenden für die Forschung zu sammeln. Nach vielen Gesprächen entschieden meine Partnerin und ich, die Stiftung Synapsis zu unterstützen. Ihre Arbeit, die Alzheimer-Forschung in der Schweiz gezielt zu fördern, halten wir für essenziell – um ein tieferes Verständnis der Krankheit zu gewinnen und vielfältige, individuelle Wege in der medizinischen Betreuung und Behandlung zu eröffnen.
Was haben Sie aus dem Ausdauersport für Ihr Leben gelernt?
Belastbarkeit, Ausdauer, Geduld – das sind Werte, die mir das Laufen immer wieder vor Augen führt. Oft denke ich an ein Zitat von Haruki Murakami aus seinem Buch «Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede», das für mich zu einer Art Mantra geworden ist: «Schmerz ist unvermeidlich. Das Leid ist optional.» Dieser Satz begleitet mich nicht nur auf der Laufstrecke, sondern auch im Leben. Ich kann den Schmerz nicht immer verhindern – sei er körperlich oder seelisch –, aber ich kann entscheiden, wie ich ihm begegne. Ob ich mich von ihm lähmen lasse oder ihn annehme, aushalte, vielleicht sogar verwandle. Wie ich mit dem Schmerz umgehe, liegt letztlich ganz bei mir.
Gibt es eine besondere Botschaft, die Sie anderen Menschen mitteilen möchten, die in Ihrem Umfeld ebenfalls von der Alzheimer-Krankheit betroffen sind?
Ich stehe noch ganz am Anfang dieses neuen Kapitels in unserem Leben. Ich mache mich Schritt für Schritt mit den Herausforderungen vertraut, die allmählich am Horizont auftauchen. Ich glaube, dass einen nichts wirklich auf diesen Weg vorbereiten kann. Umso mehr wünsche ich all jenen, die sich mit der Krankheit auseinandersetzen müssen, Mut, Geduld und die Kraft, den Moment zu ergreifen – so oft es nur geht.
Für mich, für uns, ist es entscheidend, dass wir das Gemeinsame bewahren – dass wir weiterhin teilen, was uns bewegt, und zusammen sein können. Auch wenn sich die Art, wie wir uns begegnen, mit der Zeit verändern wird, bleibt unser Wunsch derselbe: miteinander verbunden zu bleiben.
Jelena und Janet haben Anfang Jahr bereits einige Rennen bestritten und haben somit auch schon einige Kilometer in den Beinen. Die Kilometeranzahl am Ende ihres Programms ist inklusiv der bereits bestrittenen Wettbewerbe.
Das gemeinsame Jahrestotal: 238 km - das entspricht der Entfernung zwischen Lausanne und Zürich.
Lauf | Datum | Name | Wer läuft | Aktueller Spendenstand bis zu dem Lauf | Veranstaltungsseite |
1. | 10.05.2025 | Grand Prix von Bern | Jelena 16km | CHF 532 | Link |
2. | 01.06.2025 | Xtratrail Lavaux | Jelena 10km | CHF 1053 | Link |
3. | 15.06.2025 | Schweizer Frauenlauf Bern | Janet 5km Jelena 5km | CHF 1273 | Link |
4. | 23.06.2025 - 26.6.2025 | Marathon des Sables, Cappadocia (Türkei) | Jelena 70-100km | CHF 1593 | Link |
5. | 05.10.2025 | Morat-Fribourg | Janet 9.65km Jelena 17.17km | CHF --- | Link |
6. | 26.10.2025 | Lausanne Marathon | Janet 10km Jelena 21.2km | CHF --- | Link |
Bitte im Bemerkungsfeld “Charity Run” ergänzen.
Vielen Dank.