Nachmittagsbetreuung Karin Hirt

Mit Herz und Hingabe: Vier Frauen schenken Menschen mit Demenz ihre Zeit

Im Juni 2021 startete das Pflegezentrum Sennhof in Vordemwald ein inspirierendes Projekt mit freiwilligen Helferinnen und Helfern. Heute umfasst das Netzwerk beeindruckende 81 engagierte Personen, die ihre Freizeit dem Ehrenamt im Sennhof widmen. Zu diesen Freiwilligen gehören auch Beatrice Aeschlimann, Karin Hirt, Elsbeth Bolliger und Katharina Lenzo, die sich während ihrer Abendbetreuung liebevoll um demenzerkrankte Menschen kümmern. Die Koordination und Leitung des Freiwilligenmanagements liegt in den Händen von Astrid Bär.

Frau Bär, wie ist es dazu gekommen, dass der Sennhof ein Projekt mit freiwilligen Helfern gestartet hat?

Das Projekt habe ich gemeinsam mit unserem Geschäftsführer Urs Schenker ins Leben gerufen. Der Anlass dafür war meine Weiterbildung zur Freiwilligenmanagerin, in deren Rahmen ich ein Projekt entwickeln musste, das sich mit freiwilligem Engagement in einem geschützten Wohnbereich befasst. So entstand die Idee für die Abendbetreuung.

Was hat Sie dazu bewegt, freiwillig auf einer Demenzstation zu arbeiten?

Beatrice Aeschlimann: Seit 14 Jahren geniesse ich meinen Ruhestand, während meine Enkelkinder inzwischen alle erwachsen geworden sind. Früher war ich als Leiterin in der Wäscherei des Sennhofs tätig. Als ich von dem Freiwilligenprojekt erfuhr, entschied ich mich jedoch, meine Zeit den Menschen zu widmen, die sie am meisten brauchen.
 

Abendbetreuung Lisbeth Bolliger

Karin Hirt: Ich bin Bezirksschullehrerin für Französisch und Latein und habe eine ganz besondere Verbindung zum Pflegezentrum Sennhof. Meine Mutter war Bewohnerin im Demenzbereich, wo sie bis zu ihrem Tod im vergangenen Jahr herzlich betreut wurde. Während dieser Zeit habe ich hautnah miterlebt, wie anspruchsvoll und herausfordernd die Arbeit der Pflegenden ist. Dabei wurde mir bewusst, wie wichtig es ist, das Pflegepersonal zu unterstützen und ihnen Wertschätzung entgegenzubringen. Dieses Erlebnis hat in mir den Wunsch geweckt, einen Beitrag zu leisten und dort zu helfen, wo meine Unterstützung gebraucht wird. 
 

Welche Aufgaben übernehmen Sie typischerweise während Ihrer Einsätze?

Elsbeth Bolliger: In unserer Rolle übernehmen wir keine pflegerischen Aufgaben – und genau das macht es so spannend. Man weiss nie genau, was einen erwartet, denn je nach Stimmung der Bewohnerinnen und Bewohner ist Flexibilität gefragt. Oft bringe ich Bilder mit, die zum Gespräch anregen, oder spiele gemeinsam mit ihnen verschiedene Spiele. Besonders freue ich mich über die Möglichkeit, kreativ zu sein: Ich durfte einen Kurs besuchen, in dem ich gelernt habe, eigene Spiele zu gestalten. So habe ich zum Beispiel das «Rüeblispiel» entwickelt, bei dem ich Wäscheklammern auf einen Eierkarton gesteckt habe, um daraus ein Würfelspiel zu machen. Ausserdem lese ich sehr gerne Geschichten vor und geniesse die Zeit, die ich mit den Bewohnerinnen und Bewohnern verbringen darf.

Karin Hirt: Während meiner Betreuungszeit gehe ich immer mit den Bewohnerinnen und Bewohnern spazieren. Anfangs dachte ich, es sei wichtig, möglichst viele von ihnen mitzunehmen, um das Pflegepersonal zu entlasten. Doch ein Pfleger erklärte mir, dass es darauf gar nicht ankommt. Einmal war ich bereits mit zwei Personen unterwegs, während er noch anderweitig beschäftigt war und später mit einer weiteren Person nachkam. Als wir uns schliesslich bei einer Bank zu einer kleinen Rast trafen, bedankte er sich einfach bei mir – nicht für eine grosse Tat, sondern dafür, dass ich da war. Dieser Moment war für mich sehr berührend und bleibt mir in besonderer Erinnerung.

Was sind die grössten Herausforderungen, denen Sie in Ihrer Rolle begegnen?

Alle: Es gibt auch Momente, in denen Eifersucht und Neid unter den Bewohnerinnen und Bewohnern aufkommen. Viele von ihnen fühlen sich oft einsam und freuen sich umso mehr, wenn wir da sind. Dabei kommt es vor, dass sie um unsere Aufmerksamkeit wetteifern und manchmal nicht möchten, dass wir uns zu lange mit einer anderen Person beschäftigen. Herausfordernd sind auch die Fragen von Bekannten, die unser Engagement nicht immer verstehen. Sie fragen dann: «Warum gehst du eigentlich in den Sennhof? Was machst du dort? Mit diesen Leuten kannst du doch eh nichts mehr anfangen.» Meine Antwort darauf ist immer klar: «Ich schenke ihnen Zeit», sagt Beatrice Aeschlimann. Dann kommt oft: «Ja, worüber redest du denn mit denen?» Und meine Antwort bleibt dieselbe: «Man muss einfach da sein.»
 

Abendbetreuung Katharina Lenzo

Was haben Sie durch Ihre Arbeit auf der Demenzstation über sich selbst oder andere gelernt?

Alle: Wir haben gelernt, uns abzugrenzen und bewusst auf uns selbst zu achten. Dabei hilft der Austausch – sei es im Gespräch mit den Pflegenden oder untereinander. Die wichtigste Erkenntnis jedoch war, dass es nicht immer darum geht, etwas zu tun. Oft genügt es, einfach da zu sein. Es braucht kein festes Programm, sondern vielmehr die Fähigkeit, den Moment zu leben, Zufriedenheit im Hier und Jetzt zu finden und das Miteinander zu geniessen. Es geht darum, gemeinsam zu leben, statt ständig nach Perfektion zu streben.
 

Altersheim versus Pflege zu Hause? Wie sehen Sie das?

Astrid Bär: Man spürt deutlich, dass die Patienten heutzutage oft erst sehr spät auf die Demenzstation gebracht werden. Viele Angehörige zögern, diesen Schritt zu gehen, weil sie das Gefühl haben, ihre Liebsten im Stich zu lassen. Dabei sind sie selbst häufig körperlich und seelisch am Ende, leiden an Erschöpfungsdepressionen und erkennen gar nicht, welche enorme Leistung sie bereits erbracht haben. Ich rate ihnen oft, zunächst mit einem Besuch in der Tagesstätte zu beginnen. Das gibt ihnen die Möglichkeit, zumindest für einen Tag durchzuatmen und neue Kraft zu schöpfen.

Möchten auch Sie sich als freiwillige Helferin oder Helfer beim Sennhof engagieren? Frau Astrid Bär freut sich auf Ihre Kontaktaufnahme unter der Telefonnummer 062 745 08 30.
 

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